Für weniger Lärm – Verzicht auf B74neu

André Hilbers und Christina-Johanne Schröder (MdB)

Die Planungen zur B74neu verhindern effektive Maßnahmen zur Lärmminderung an der vorhandenen B74 und der Bau der Straße wird zu mehr Lärm im Ortskern von Ritterhude führen. Das ist das Fazit aus den Beiträgen von André Hilbers und Christina-Johanne Schröder auf der Radtour entlang der geplanten Trasse der B74neu.

Um den aktuellen Stand der Planungen sowie die voraussichtliche Trassenführung mit all seinen Auswirkungen zu erläutern, veranstaltete der Ortsverband von Bündnis 90/Die Grünen Ritterhude am 27.08.2022 eine Fahrradtour entlang des geplanten Verlaufs der sogenannten Vorzugsvariante (Ostvariante) B74-neu. Mit dabei waren gut 20 interessierte Bürgerinnen und Bürger, Christina-Johanne Schröder (Mitglied des Bundestages, Bündnis 90/Die Grünen, Mesut Ercik (Landtagskandidat Wahlkreis Osterholz, Bündnis 90/Die Grünen) sowie André Hilbers (Mitglied des Kreistages Osterholz und des Gemeinderates Ritterhude, Bündnis 90/Die Grünen).

Zunächst begrüßte Herr Hilbers die Anwesenden und informierte darüber, dass genau am Treffpunkt am Anleger an der Niederender Straße in Ritterhude, zwischen den drei dort angesiedelten Wassersportvereinen, die geplante Trasse in etwa 5 m Höhe über die Hamme führen würde, wenn die Planung durch die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr Lüneburg ungehindert weitergeführt und schließlich auch ausgeführt wird. Dabei verwies er auch auf die Auswirkungen auf das angrenzende Vogelschutzgebiet, dass die Trasse durchkreuzen würde, sowie das nahe gelegene Naturschutzgebiet Hammeniederung.

Anschließend beleuchtete Christina-Johanne Schröder das Verkehrsprojekt aus bundespolitischer Sicht und wies darauf hin, dass zur Zeit sehr viel Planungskapazitäten in Straßenbauprojekten gebunden seien, die teilweise nicht mehr zeitgemäß seien bzw. wahrscheinlich gar nicht realisiert würden, dadurch aber andere wichtige Projekte und Anliegen, insbesondere auch im Hinblick auf Klimaschutz, Instandhaltungs- und Lärmschutzmaßnahmen, nicht oder nur sehr zögerlich vorangebracht werden könnten. Sie wies darauf hin, das auch deshalb eine erneute Sichtung und gegebenenfalls auch Neubewertung der Maßnahmen, die im Bundesverkehrswegeplan verzeichnet sind, vorgenommen werden solle.

Dann ging es, angeführt von Mesut Ercik, auf die etwa 14 km lange Tour Richtung Osterholz-Scharmbeck. Unterwegs erläuterte André Hilbers an verschiedenen Stellen den Verlauf der geplanten Trasse und veranschaulichte deren Folgen für das Naherholungs- und Schutzgebiet Hammeniederung. Dass die Baumaßnahme in großenteils aufgeständerter Form, einschließlich 5 Brückenquerungen und eines 200 Meter langen Tunnels unter der Bahnstrecke hindurch, für die derzeit geplanten 28 Millionen Euro zu realisieren sein wird, wollte keiner der Anwesenden für möglich halten. “Das kostet doch mindestens das 10-fache”, merkte denn auch einer der Teilnehmer an.

Herr Hilbers wies darauf hin, dass die meisten sowieso davon ausgingen, dass das Projekt nicht relaisiert werden wird. Dies zeige sich auch in der Formulierung im Gemeindentwicklungskonzept für die Gemeinde Ritterhude für 2035. Dort heißt es, dass es unklar sei, ob und wann die B74-neu realisiert werden wird. “Diese Haltung wird den jetzigen Anrainern der B74 nicht gerecht und deren Unmut sei insofern absolut nachvollziehbar”, so Hilbers. Vielmehr seien dort zeitnah verkehrslenkende bzw. -beruhigende Maßnahmen umzusetzen, statt die Menschen mit Hinweis auf die Planungen zur B74-neu wie schon seit fast 40 Jahren immer wieder zu vertrösten. Zumal die von der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr vorgelegte Prognose der Verkehrsströme für die Ortsdurchfahrt Ritterhudes ohnehin lediglich eine Entlastung von 4-5.000 Fahrzeuge durch die Umgehungsstraße ausweise, auf dieser selbst jedoch eine Zunahme zwischen rund 10 – 20.000 Fahrzeugen. “Es droht durch diese Maßnahme also insgesamt eine deutliche Zunahme der Verkehrsbelastung Ritterhudes und schon aufgrund der Höhe der Streckenführung auch eine erhöhte Lärmbelastung für die gesamte Gemeinde”, so Hilbers weiter.

Ein weiterer Zwischenstopp wurde am als Ausflugsziel sehr beliebten Aussichtsturm Lintel (“Weidenkorb”) eingelegt, von dem aus man fast den kompletten Streckenverlauf einsehen kann. Schließlich passierten die Radler noch die Stelle, an der der notwendige Tunnel zur Querung der Bahnstrecke enden würde, bevor die Gruppe an der Anschlussstelle an der jetzigen B74 am Ortseingang von Osterholz-Scharmbeck ankam. Am Ende waren sich die Teilnehmenden, zu denen auch Anwohner der jetzigen B74 zählten, zumindest einig, dass es wichtig ist, sich mit der Planung und den konkreten Folgen einer Umsetzung kritisch auseinanderzusetzen.

Seht auch das Video-Statement von Mesut Ercik.

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