Fahrradtour entlang Trasse B74neu

Die Planungen zur sogenannten Ortsumfahrung B 74 Ritterhude (“B74-neu”) durch die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr Lüneburg gehen unvermindert weiter. Es wurden Verkehrszählungen vorgenommen, es laufen Kartierungsarbeiten und ein sogenanntes “Dialogforum” aus ausgewählten Mitgliedern wurde ins Leben gerufen. Um den aktuellen Stand der Planungen sowie die voraussichtliche Trassenführung mit all seinen Auswirkungen zu erläutern, veranstaltet der Ortsverband von Bündnis 90/Die Grünen Ritterhude wie vor einem Jahr erneut eine Fahrradtour entlang der geplanten Trassenführung der sogenannten Vorzugsvariante (Ostvariante, mit neu zu bauender Trasse zwischen K43 Höhe Dammstraße und jetziger B74 am südlichen Ortseingang Osterholz-Scharmbeck Höhe Einmündung Ritterhuder Straße).

Zeit: Samstag, 27.08.2022, 15:30 Uhr (bis ca. 18:00)

Ort: Ausgangs- und Endpunkt ist der Hamme-Anleger an der Niederender Straße in Ritterhude (kurz hinter der Ritterhuder Schleuse)
Länge der Strecke: 14 km (in gemütlichem Tempo mit vielen Pausen, auch für geübte Kinder geeignet)
Teilnahme nur möglich mit einem Fahrrad (oder einem ähnlichen Gefährt).
Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Anwesend sind u.a.:

  • Christina-Johanne Schröder, Mitglied des Bundestages (Bündnis 90/Die Grünen), u.a. Mitglied im Ausschuss für Wohnen, Stadtentwicklung, Bauwesen und Kommunen – sie wird das Thema zu Beginn aus bundespolitischer Sicht umreißen, kann aus gesundheitlichen Gründen jedoch nicht an der Radtour teilnehmen
  • Mesut Ercik, Landtagskandidat Wahlkreis Osterholz (Bündnis 90/Die Grünen)
  • André Hilbers, Fachpolitiker für Verkehr (Mitglied des Verkehrsausschusses des Kreistages Osterholz) und Mitglied des Gemeinderates Ritterhude (Bündnis 90/Die Grünen) – er wird die Trassenführung vor Ort darstellen und die Folgen für das Naherholungs- und Naturschutzgebiet Hammeniederung an ausgewählten Haltepunkten unterwegs erläutern und veranschaulichen

Familien sind zu diesem “Ausflug mit thematischem Hintergrund” herzlich willkommen: schließlich geht es um ein Projekt, das nach Schätzung der Planer (und die ist meistens eher optimistisch) frühestens 2038 fertig gestellt sein könnte. Die Erfahrung mit ähnlichen Bauprojekten lässt ein noch deutlich späteres Fertigstellungsdatum erahnen. Es betrifft also vor allem die kommende Generation. Daher stellt sich auch die Frage, ob ein Verkehrsprojekt aus den 80er Jahren knapp 60 Jahre später noch zeitgemäß sein kann.

Wir stehen derzeit vor einem epochalen Umbruch im Bereich Mobilität: grundsätzlicher Wandel der Antriebstechnik hin zu deutlich leiseren Fahrzeugen (ein Hauptargument der Befürworter ist die Lärmbelastung an der jetzigen B74!) und voraussichtlich auch deutlich weniger Fahrzeugen (ein weiteres Argument der Befürworter ist das hohe Verkehrsaufkommen!). Viele junge Leute, für die die Straße ja gebaut würde (s.o.), haben gar kein Bedürfnis nach einem eigenen Fahrzeug. Ganz anders als es noch bei der sogenannten Generation Golf der Fall war, die nach wie vor unbeirrt an dem Projekt festhält und die aktuelle und zukünftige Entwicklungen schlichtweg nicht zur Kenntnis nimmt.

Wir vom Ortsverband von Bündnis 90/Die Grünen sind davon überzeugt, dass insbesondere der anstehende Ausstieg aus der Nutzung fossiler Energieträger, aber z.B. auch die fortschreitende Digitalisierung, die Mobilität der kommenden 30er und 40er Jahre revolutionär verändern werden: mehr und besserer ÖPNV, mehr Radverkehr (z.B. durch Pedelecs und E-Scooter), mehr Carsharing, mehr Fahrgemeinschaften bzw. On-Demand-Mobilitätsangebote, mehr Homeoffice. Die bislang angeführten Argumente für den Bau einer Umgehungsstraße werden dann nicht mehr gelten. Von den prognostizierten Baukosten von 28 Millionen € (die erfahrungsgemäß deutlich überschritten werden dürften und derzeit für eine Bauphase beginnend in über 15 Jahren wohl kaum vorhersagbar sind) ganz zu schweigen. Eine Umfrage bei den Teilnehmer:innen einer Kundgebung von Fridays-for-Future (egal welcher politischen Strömung sie sich zugehörig fühlen) würde wohl kaum zugunsten des Baus dieses Millionengrabs ausfallen. Aber genau für die würde sie gebaut!

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