Wolfgang Hödrich

Eine ganz normale Ratssitzung

Oder ein Erlebnis der besonderen Art

Das Stadion in Ritterhude muss dringend saniert werden, keine Frage. Es gibt Fördergelder, ein Grund, gleich in die Vollen zu gehen. Die SPD, die CDU und die Bürgermeisterin priorisierten sofort den Kunstrasenplatz. Naturrasenplatz: „Nein, der vorhandene zeigt wie schlecht er ist“. Dabei wurde er nie nach neuen Gesichtspunkten angelegt und Pflege blieb irgendwelchen Kräften aus dem Bauhof und den Vereinen anvertraut. Trotzdem kann man auch nach 40 Jahren noch darauf Fußballspiele bestreiten, wer hätte das gedacht.

Die Idee der Genossen und maßgeblich Ritterhuder Grüppchen war klar und festgeschrieben. Daher hatte ich Zeit, einmal alles genau zu verfolgen.

Die Fraktionsmitglieder B90/Die Grünen hatten sich sehr intensiv und umfangreich mit dem vorliegenden Gutachten und mit grundlegenden Informationen auseinandergesetzt. Es ergaben sich drei wichtige Punkte, den Kunstrasenplatz abzulehnen.

  • Umweltschutz
    Die Herstellung und das Recyceln von Kunststoffen ist sehr CO2 belastend und der Abrieb ist für Spieler und Umwelt schädigend. Bei Wind belastet er auch die anliegenden Plätze und Felder. Durch das neue Stadion mit Kunstrasenplatz werden zusätzlich ca. 10.000 qm versiegelt.
  • Verletzungsgefahr
    Erhöhte Verletzungsgefahr für Kinder und Jugendliche. Diese Verletzungsgefahren mutet man auch Gastspielern zu. Für Erwachsene ist hingegen die Gefahr geringer und sie tragen die Verantwortung für sich selber. Wer übernimmt die Verantwortung für die Kinder?
  • Geringe Nutzung für Schulkinder
    Da Schulkinder im Sportunterricht kaum Fußball spielen, bleibt für sie die Nutzung des Kunstrasenplatzes gering
  • Kosten
    Die 500.000 €, die die Gemeinde als Mehrkosten selber tragen muss, würden für die Ertüchtigung 3 bestehender Rasenplätze in der Gemeinde reichen. Dadurch kämen auch andere Vereine in den Genuss, endlich einen vernünftigen Rasenplatz bespielen zu können. Dadurch würde sich die Dauerbelastung im Stadion drastisch entlasten.

Diesen vier Punkten steht lediglich 1 Punkt der Kunstraseninitiatoren gegenüber.

„Eine höhere Bespielbarkeit“ des Platzes. Fachmännisch gewartet werden muss er aber auch. Für mich reicht dieser eine Punkt nicht aus.

Im Verlauf der Sitzung zeigte sich, dass die wenigsten Ratsmitglieder sich mit diesen Themen überhaupt beschäftigt hatten. Gebetsmühlenhaft wurde immer der eine Punkt von den Initiatoren beschworen bis alle SPD und CDU Mitglieder das auch glaubten. Als die Sprecher der Initiatoren bemerkten, dass sie eigentlich gar keine richtige Begründung hatten entglitt die Diskussion. Ein Ratsmitglied der CDU griff dann auch gleich in die Schuldzuweisungskiste: „Ich glaube, die Grünen wollen nur Angst schüren, um ihre Meinung durchzusetzen“. So einfach kann man sich das machen. Eine sehr deplatzierte Aussage kam dann noch von der Bürgermeisterin. „Meine Familie spielt schon lange auf Kunstrasenplätzen und hat da gar keine Bedenken wegen Verletzungen“ Welch ein Wunder, wenn die Familienmitglieder Profi- und Leistungssport betreiben. Danach gab es keine Argumente für einen Kunstrasen mehr. Die Abstimmung hätten wir gar nicht gebraucht…….

So ähnlich verlaufen leider zu oft Ratssitzungen.

Wolfgang Hädrich
Fraktionsvorsitzender
B90/Die Grünen    

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