Betreuung in den KITAs

Für den 04.11.2021 hatten der Ortsverband von BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN in Ritterhude zu einer Online-Diskussionsveranstaltung zum Thema Kinderbetreuung in Ritterhude eingeladen. Es war eine sehr interessante und auch emotionale Gesprächsrunde mit insgesamt 10 Teilnehmer:innen, die einige kritische Punkte zutage förderte. Ganz deutlich wurde in der Runde die persönliche Betroffenheit aufgrund der als sehr belastend erlebten Betreuungssituation. Viele Eltern sind augenscheinlich aufgrund der Schwierigkeiten mit der Kinderbetreuung am Ende ihrer Kräfte.

Eröffnet wurde die Gesprächsrunde von Sarah Fretzer und Wolfgang Goltsche, die berichteten, dass

Ritterhude nach wie vor einen starken Zuzug von Familien erlebe. Dies zeige sich auch bei der Belegung der Kitaplätze: Ursprünglich sei geplant gewesen, in jeder Gruppe 20 Kinder aufzunehmen und 2 Plätze als „Notfallplätze“ freizuhalten. Seit langem seien jedoch in jeder Gruppe 22 Kinder der Standard, d. h. die „Notfallplätze“ seien dauerhaft besetzt.

Eine Teilnehmerin erzählte daraufhin, dass sie über ein Jahr habe warten müssen, bis ein Platz frei wurde. Aber auch die Eltern in der Runde, deren Kinder einen Platz haben, sind nicht glücklich mit der Betreuung. Die Betreuungszeiten sind so aus Sicht der Teilnehmer:innen der Gesprächsrunde so schlecht, dass sie v.a. Frauen daran hindern würden, nach ihren Vorstellungen zu arbeiten. So berichtete zum Beispiel eine Ärztin, dass sie ihren Beruf aufgegeben habe, weil die Betreuungsmöglichkeiten für ihre drei Kinder nicht gegeben seien.

Eine weitere Teilnehmerin konnte dem vollends zustimmen. Sie organisiere ständig mit ihrem Mann hin und her, damit beide ihr Anforderungen im Job erfüllen können. Sie arbeiten beide Vollzeit, könnten dies aber ohne die Möglichkeit im Homeoffice zu arbeiten, nicht tun. Es gäbe keine bedarfsgerechte Betreuung, die sie unterstütze und dies ginge vielen Eltern in ihrer Kita genauso.

In der Gesprächsrunde wurde klar, dass sich Eltern mehr und bessere Betreuung wünschen. Ein Vater äußerte zudem den Wunsch nach mehr Flexibilität in den Betreuungszeiten, da er als Lehrer häufig auch noch am Nachmittag wichtige berufliche Termine habe.

 „Mein Arbeitgeber macht das nicht mehr mit“, sagte eine Mutter in der Gesprächsrunde. Sie zielte damit auf die Problematik ab, die sich ergibt, wenn Personal in Kitas in Ritterhude erkrankt. Die Kinder würden in diesem Fall nach Hause geschickt und die Eltern müssten die Betreuung übernehmen.

Als geradezu zynisch empfanden die Teilnehmer:innen es, dass dies in den aktuellen Stellenausschreibungen als „Notfallkonzept bei Betreuungsausfällen, z.B. tageweise Reduzierung der Kinderzahl“ beworben werde. Aus Sicht der Eltern handle es sich bei dem „Notfallkonzept“ nicht um ein Konzept, sondern um Missmanagement auf dem Rücken der Eltern. Eine Teilnehmerin bezeichnete das als „respektlos“ und für Eltern inakzeptabel. Der Elternbeirat habe zwar dem Notfallkonzept zugestimmt, aber nur, weil es keine richtige Wahl gegeben hätte bzw. die Alternative zum „Notfallkonzept“ noch schlimmer gewesen wäre. Die Eltern wünschen sich hier Aufklärung und die Erarbeitung eines Konzeptes, das nicht die Berufstätigkeit der Eltern belastet.

In der Diskussion um eine gute Kinderbetreuung wurde auch das Thema der offenen Stellenanzeigen für Erzieher:innen angesprochen. In diesem Zusammenhang ist der Fachkräftemangel definitiv ein Thema, das berücksichtigt werden muss. Im Vergleich zu Stellenangeboten in Bremen könne Ritterhude auf dem Papier allerdings durchaus mithalten, so eine Teilnehmerin. Allerdings habe man in Ritterhude wohl eine sehr hohe Fluktuation an Erzieher*innen, d.h. das Angebot sei attraktiv genug, um nach Ritterhude zu kommen, aber das Arbeitsumfeld lade anscheinend nicht zum Bleiben ein. Die Gründe darüber seien unklar.

Um hier Licht ins Dunkel zu bringen wurde angeregt, eine Befragung der Mitarbeiter:innen in den Ritterhuder Gemeindekitas durchzuführen, und zwar durch unabhängige, vertrauliche Experten, die die Ergebnisse analysieren, aufbereiten und alle Missstände auf den Tisch legen. Ziel muss es dabei sein, ein Arbeitsumfeld anzubieten, in dem sich das Personal wohl fühlt, wertgeschätzt wird und sich entfalten und einbringen kann. Die Eltern wünschen sich engagierte Fachkräfte, die eine pädagogische Bildung für Kinder vermitteln. Hierfür brauche es ein entsprechendes Arbeitsumfeld, das es im Moment in Ritterhude wohl nicht gebe – jedenfalls ließe diese Fluktuation dies vermuten.

Aus der Gemeinderatsfraktion von BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN wurde darauf hingewiesen, dass es wichtig sei, dass auch die Eltern sichtbar Druck bei der Gemeinde machen, damit sich etwas ändere. Beispielsweise indem die betroffenen Eltern sich während einer Ratssitzung in der Einwohnerfragestunde äußern oder an den öffentlichen Sitzungen des Jugendausschusses teilnehmen.

Eine Mutter entgegnete daraufhin: „Wir Eltern können nicht mehr!“ Sie hätten in Corona-Zeiten den Kopf hingehalten und Homeoffice und Kinderbetreuung gewuppt, kämpften für ihre Jobs, für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, machten Überstunden, spielten mit ihren Kindern, kümmerten sich um Hausaufgaben, machten den Haushalt und alles was daran hänge, sprängen für kranke Erzieher ein und irgendwann sei Schluss. Es sei die Aufgabe der Verwaltung und des Gemeinderats in der Gemeinde Ritterhude den Eltern eine bedarfsgerechte, pädagogisch qualitative Kinderbetreuung anzubieten. Es gehe hier nicht ums Babysitten, sondern um Bildung – Bildung sei das Wichtigste was unser Land zu bieten hat. Es könne nicht sein, dass die Eltern dafür auch noch kämpfen müssten: Ritterhude solle es endlich auf die Reihe kriegen!

Um die Eltern unterstützen wird die Gemeinderatsfraktion von BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN nun einen Antrag im Schulausschuss stellen, um die Betreuungszeiten in der Kita Stendorf montags bis donnerstags um je eine Stunde, auf 16 Uhr auszuweiten.

Außerdem möchten wir gerne ein Gesprächsangebot machen: wenn eine Erzieherin oder ein Erzieher uns sagen möchte, was sie/ ihn bei der Kinderbetreuung in Ritterhude stört, können sie uns gerne kontaktieren. Wir möchten außerdem gerne einen runden Tisch initialisieren, denn wenn etwas schiefläuft, müssen wir drüber reden – nur so wird es eine Verbesserung geben. Und dass wir diese dringend brauchen – für Erzieher*innen, Eltern, den Standort Ritterhude und vor allem für unsere Kinder – das ist am Ende der Gesprächsrunde allen klar!

Artikel kommentieren