Auf einmal waren sie weg …

Ernst Eickhoff

Erinnern. Verstehen. Handeln.

Am 27. Januar gedenken wir der Opfer des Holocausts – eines der dunkelsten Kapitel der Menschheitsgeschichte. Es ist ein Tag, der uns mahnt, wachsam zu bleiben und uns gegen Hass, Ausgrenzung und Gewalt zu stellen. Die Geschichte der jüdischen Familie ter Berg / Levy aus Ritterhude steht exemplarisch für das Schicksal unzähliger Menschen, deren Leben durch die nationalsozialistische Gewaltherrschaft zerstört wurde. Heute erinnern zwei Stolpersteine auf der Riesstraße 39 an das Unrecht.


Die Familie ter Berg / Levy: Ein Leben in Ritterhude

Die ter Bergs waren seit Generationen Teil der Gemeinde in Ritterhude. Sie betrieben ein kleines Geschäft, ihre Kinder gingen zur Schule, und sie waren geachtete Nachbarn. Doch mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 begann eine Zeit der Ausgrenzung, die schleichend und fast unmerklich begann: Beleidigungen auf der Straße, Boykottaufrufe gegen jüdische Geschäfte, das Verbot, öffentliche Plätze zu betreten.

„Am Anfang waren es nur Blicke, dann Worte, dann Taten.“ Was als scheinbar harmlose Diskriminierung begann, eskalierte schnell. Die ter Bergs verloren ihr Geschäft, ihre Kinder wurden aus der Schule ausgeschlossen, und schließlich wurden sie in das Ghetto Minsk und Riga deportiert. Auf einmal waren sie weg.


Wie alles begann: Die Gefahr der Gewöhnung

Die Geschichte der Familie ter Berg / Levy zeigt, wie schnell Ausgrenzung zur Normalität werden kann, wenn wir schweigen. Der Holocaust begann nicht mit Konzentrationslagern – er begann mit Hetze, mit Gleichgültigkeit, mit dem Wegsehen. Er begann damit, dass Menschen sich an Unrecht gewöhnten.

Heute, fast 80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, ist es unsere Verantwortung, die Erinnerungen an die Opfer wachzuhalten. Wir müssen hinsehen, wenn Menschen ausgegrenzt werden. Wir müssen uns einmischen, wenn Hass verbreitet wird. Und wir müssen uns klar positionieren: Nie wieder darf Gleichgültigkeit den Weg für Gewalt ebnen.


Unsere Verantwortung heute

Die GRÜNEN in Ritterhude setzen sich dafür ein, dass die Erinnerung an die Opfer des Holocaust lebendig bleibt. Wir unterstützen Projekte, die Zeitzeug:innenberichte bewahren, wir fördern Bildungsarbeit in Schulen und wir stellen uns gegen jede Form von Antisemitismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeit.

Erinnern heißt handeln. Besuchen Sie die Stolpersteine in Ritterhude, die an die Familie ter Berg / Levy und andere Opfer erinnern. Engagieren Sie sich in Initiativen, die sich für eine offene und tolerante Gesellschaft einsetzen. Und sprechen Sie mit Ihren Kindern, Freund:innen und Nachbar:innen über die Bedeutung von Menschlichkeit und Zivilcourage.


„Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnert, ist dazu verurteilt, sie zu wiederholen.“ (George Santayana)

Gemeinsam können wir sicherstellen, dass die Worte „Auf einmal waren sie weg“ nie wieder Realität werden.

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